Graswurzelpartnerschaft Rheinland-Pfalz – Ruanda

Die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda besteht seit 39 Jahren. Was 1982 als ein ungewöhnlicher Versuch zweier Länder zur Neugestaltung von Entwicklungspolitik begann, ist heute zu einem international anerkannten Modell einer bürgernahen, dezentralen und effizienten Entwicklungszusammenarbeit auf lokaler Ebene geworden. Diese Form einer Graswurzelpartnerschaft beruht auf der Begegnung mit gegenseitigem Respekt und Achtung und will über eine reine Entwicklungszusammenarbeit hinaus zu einer Partnerschaft im alltäglichen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben werden. Sie genießt in der ruandischen Bevölkerung einen hervorragenden Ruf und ist auch in der rheinland-pfälzischen Bevölkerung tief verwurzelt. 

Menschen beider Länder versuchen sich auf Augenhöhe zu begegnen, auszutauschen und gemeinsam Projekte zu entwickeln. Die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda ist in ihrer Struktur in zwei Teilen organisiert: dem Ruandareferat der Landesregierung und dem Partnerschaftsverein Rheinland-Pfalz/Ruanda e.V.

 

Die Anfänge

Ausgangspunkt waren Partnerschaften auf kommunaler Ebene nach dem Vorbild der kommunalen Partnerschaften mit Frankreich, die Begegnung der Menschen auf der Ebene in der sie ihre Lebenswirklichkeiten haben. Jumelage – ein Begriff, der sich aus dem französischen Jumeau / Jumelle ableitet: Zwilling - dies mehr ist als nur Partnerschaft. So bestehen auf kommunaler Ebene Partnerschaften zwischen 40 rheinland-pfälzischen Gebietskörperschaften, mit Städten, Landkreisen und Verbandsgemeinden. Dazu kamen Kirchengemeinden beider Konfessionen mit Partnerschaften zu ruandischen Pfarreien und Diözesen. Mittlerweile sind auch Universitäten und Hochschulen mit ruandischen Hochschulen in einem engen Austausch.

Sehr schnell wurde diese Jumelage ergänzt durch Schulpartnerschaften, die die zweite große Säule in dem Beziehungsgeflecht zu Ruanda bildet. Im Jahr 2020 waren über 180 rheinland-pfälzische Schulen mit ruandischen Schulen verpartnert. Neben den allgemeinbildenden Schulen etablieren sich zunehmend auch Beziehungen zwischen berufsbildenden Einrichtungen.

Als weitere Säule des Trägers des Partnerschaftsgedankens sind die gut 40 Vereine und Stiftungen in Rheinland-Pfalz. Darüber hinaus halten auch unzählige Einzelpersonen und Einzelinitiativen die Partnerschaft zwischen beiden Ländern lebendig. In fast 40 Jahren partnerschaftlicher Zusammenarbeit ist dabei eine große Projektvielfalt erwachsen. Ein Reichtum, der diese Partnerschaft zu dem macht, was sie ist.

Was sind unsere Schwerpunkte?

Ein weiteres wichtiges Segment bildet der Schüleraustausch. Bei der Begegnung in Ruanda achten wir darauf, dass die Schüler*innen mindestens drei bis vier Tage auch an der ruandischen Partnerschule sind. Bei Besuchen von touristischen Highlights achten wir darauf, dass auch ruandische Schüler*innen in diesen Genuss kommen. Wir wollen verstärkt darauf hinwirken, dass gemeinsame Projekte entwickelt werden. Dank der neuen Kommunikationsmöglichkeiten ist heute ein Austausch über solche weite Entfernung viel leichter geworden. Die Landesregierung unterstützt solche Reisen - aber auch der Bund über das ENSA Austauschprogramm.

Im Bereich der Hochschulen besteht eine langjährige Zusammenarbeit zwischen der technischen Universität Kaiserslautern und der Nationalen Universität Ruanda, Fachbereich Ingenieurwesen. Zwischen den beiden Hochschule Bingen und Mainz und der katholischen Hochschule INES in Musanze besteht eine Zusammenarbeit im Bereich der Landwirtschaftlichen Ausbildung wie im Bereich Wirtschaft mit dem Schwerpunkt auf Start-Up Gründungen. Ungefähr ruandische 100 Student*innen sind in RLP zur Ausbildung.

Bei der beruflichen Ausbildung liegt der Schwerpunkt zum einen auf Bau und Ausstattung von Ausbildungszentren, zum anderen auf der Fort- und Weiterbildung von technischen Ausbildern sowohl fachlich als auch methodisch-didaktisch. Hier engagiert sich die HWK Koblenz wie das Studienseminar Mainz in einem speziellen Programm wobei es jedoch auch direkte Partnerschaften von BBS zu ruandischen Ausbildungszentren gibt wie z.B. die BBS Germersheim mit dem IPRC East.

In Ruanda wie hier in Rheinland-Pfalz hat sich ein Netzwerk gebildet zwischen Einrichtungen, die sich dem Inklusionsthema Menschen mit Beeinträchtigungen widmen. Dieses SUGIRA Netzwerk umfasst um die 25 Einrichtungen.

Auch der Sport und die Jugendarbeit wird zusehend wichtiger - zumal das bisherige Internatssystem zunehmend durch Tagesschulen ersetzt wird. Gerade die Komponente Sports4Peace ist wichtig für die Vermittlung von sozialer Kompetenz. Es gibt die Jugendorganisation Ejo-Connect (https://ejo-connect.com), die sich dem Austausch von jungen Menschenbeider Länder zwischen 16 und 30 Jahren widmet.

Eine Zivilgesellschaft braucht Kunst und Kultur wie die Luft zum Atmen. Der Mensch lebt nicht nur vom Brot - er braucht das kreative Denken und das Sich-Entfalten. So sind wir verstärkt seit 2012 auch im kulturellen Bereich unterwegs: museale Zusammenarbeit, Austausch zwischen Künstlern, das Landesjugendorchester mit Musikern in Ruanda, Tanz und Theater aber auch im Bereich der Kreativwirtschaft, der in Ruanda immer stärker werdenden Mode und Design Szene (siehe www.slanted.de/product/slanted-special-issue-rwanda/slanted). Gerade für ein so junges Land wie Ruanda ein wichtiges Thema bei Gestaltung von Zivilgesellschaft.

Dies nur als die wichtigsten Themen - wir sind so breit aufgestellt, wie sich Partner bei uns engagieren. Von diesem Engagement und den Ideen einzelner lebt diese Partnerschaft - mehr dazu siehe unter Projekte wie auch Partner.

Seien Sie kreativ und mutig - machen Sie mit.

Doch wie läuft so ein Projekt in der "Graswurzelpartnerschaft" konkret ab?

 

Es gilt der Grundsatz: Nicht wir wissen was für Ruanda gut ist, sondern die Ruander selbst.

1. Der ruandische Partner unterbreitet dem Koordinationsbüro in Kigali einen Projektvorschlag, der eine kurze Projektbeschreibung und eine erste Kostenrechnung umfasst.

2. Die Anfrage wird von den Mitarbeitern des Büros nach Sinnhaftigkeit, Umsetzbarkeit und Übereinstimmung mit den ruandischen Bestimmungen, sowie Wirkung und Nachhaltigkeit überprüft.

 

 

3. Ist das Büro von dem Projektantrag überzeugt, verfasst es einen offiziellen Förderantrag für den Partner in Rheinland-Pfalz mit einer überprüften Kostenkalkulation.

4. Stimmt der rheinland-pfälzische Partner dem Antrag zu und kann er das Projektvolumen aus eigener Kraft finanzieren, so gibt er dem Partnerschaftsverein in Mainz grünes Licht zur Durchführung. 

 

 

5. Kann er das Volumen nicht komplett alleine stemmen, so kann er beim Land Rheinland-Pfalz einen Zuschuss beantragen. Stimmt das Land dem Antrag zu, wird ebenfalls durch die Geschäftsstelle des Vereins in Mainz das Büro ermächtigt, das Projekt in Angriff zu nehmen.

6. Mit dem Erhalt der Erlaubnisermächtigung aus Mainz, informiert das Koordinationsbüro in Kigali den ruandischen Partner.

 

7. Mit dem ruandischen Partner wird ein Vertrag mit einer Zeitplanung zur Umsetzung des Projektes vereinbart.

8. Das Koordinationsbüro begleitet die Umsetzung des Projektes und verfasst auf Anfrage Zwischenberichte. Die Gelder werden nach vereinbarten Teilbeträgen ausbezahlt.

 

 

9. Nach Beendigung des Projektes verfasst das Büro in Kigali einen Abschlussbericht und erstellt eine Foto-Dokumentation.

10. Nach Prüfung der Unterlagen in Mainz erhält der Partner in Rheinland-Pfalz die Unterlagen. Das Projekt gilt hiermit als abgeschlossen.